DIVA blog

Impressionen einer Orderreise

Wenn New York, London, Paris, Mailand und München rufen, wird es wieder Zeit für die Orderreise! Die heiligen Hallen der Modegötter werden geöffnet.

Mehrmals im Jahr rufen die großen Designer*innen der Modewelt dazu auf ihre neuen Kollektionen zu besichtigen – und natürlich möglichst zu kaufen. Im Winter 2016 wird zur Präsentation der Wintermode 2017 geladen. Die Sommerkollektion von 2017 wird im Sommer 2016 gezeigt und geordert. Eine Orderreise ist jedoch mehr als bloß eine Märchenreise in die Modetempel…

Planung & Vorbereitung

„Mein Gott, jetzt wurde der Termin schon wieder kurzfristig verändert! Und ich habe Hotel und Flüge schon gebucht! Jedes Mal das Gleiche.“

Am schwierigsten ist es, den richtigen Reisezeitpunkt zu finden. Wird die eine Kollektion in Paris vom 10. bis 13. Januar präsentiert, beginnt das nächste Label erst am 15. des Monats mit dem orderwindow. Nun kann man sich überlegen zwei Tage in Paris zu verbringen oder heim zu fliegen und am 15. wieder anzureisen.

Abgesehen von den unterschiedlichen Zeitpunkten, muss vorab eine Auswahl getroffen werden, welche Kollektionen besichtigt werden. Es wird nicht genug Zeit geben, sich alle anzusehen. Man muss sich entscheiden: Welche könnte ich mir anschauen und gibt es junge Labels, die demnächst der Trend sind? Täglich melden sich mehrere Agenturen um ihre vielversprechenden Newcomer zu promoten.

Sind die Eckdaten fixiert – Zeitraum festgelegt und Labels grob ausgewählt – beginnt die aufwändige Terminkoordination. Dabei werden die geschätzte Dauer, die Relevanz des Labels und der Standort des Showrooms in der Stadt berücksichtigt. Per Mail oder Telefon werden Termine mit sales managern vereinbart, die hoffentlich genau den Termin frei haben, den man so mühevoll geplant hat.

Besichtigungsmarathon & Shopping

Ist diese Hürde erst einmal genommen, steigt die Spannung: Wie schauen die Kollektionen wirklich aus? Im Internet hat man sich bereits eine Idee geholt. Alle Designer*innen senden vorab einige Bilder oder veröffentlichen Eindrücke auf ihrer Website. So kann man sich bereits einen groben Überblick verschaffen: Ist diese Kollektion etwas für mein Geschäft oder eher doch nicht? In Natura sehen die Teile dann aber doch immer anders aus, als am Bildschirm. Wie fühlt sich das Material an? Wirkt der Stoff wie auf dem Bild? Wie ist die Passform?

Häufig werden die Modestücke von Models präsentiert. Manchmal kann man sie auch selber anprobieren. Einige Designer*innen hüten ihre Kollektion wie ein großes Geheminis. Die Präsentationshallen unterscheiden sich ebenso, wie die darin enthaltenen Kollektionen. GUCCI’s Gebäude haben beispielsweise den Charme eines Bunkers und haben somit gar nichts mit den dort präsentierten Schätzen gemeinsam. Dolce&Gabbana’s Präsentationshallen treten hingegen durch und durch knallig und bunt auf – wie die Kollektion selbst.

Einkäufer*innen und Verkäufer*innen sitzen an Tischen, überall wird gleichzeitig gearbeitet und Aufträge geschrieben. Manchmal bekommt man ein Teil nur kurz zu Gesicht, bevor es zum nächsten Tisch weitergereicht wird. Fotografieren ist in den meisten Showrooms strengstens verboten. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als aus dem Gedächtnis oder mithilfe von Skizzen und Stoff- sowie Farbmustern die Bestellung zusammenzustellen. Das Angebot ist riesig – das Budget demgegenüber begrenzt und sein Einsatz muss gut überlegt sein.

       „In Sekundenschnelle muss entschieden werden:       

       Nehme ich das Stück oder nehme ich das nicht?       

       In welcher Größe? Für welche meiner Kundinnen kaufe ich das ein?“

Und dann der Blick auf die Uhr: „Oje, der nächste Termin beginnt schon in 15 Minuten – und ich muss noch quer durch die Stadt zum nächsten Showroom!“ In Paris oder Mailand ein Taxi zu kriegen ist oft ein Kapitel für sich. Irgendwie hat man es dann doch geschafft. Jetzt schnell noch in ein Restaurant, denn meistens findet man keine Zeit etwas Anständiges zu essen. Mit dem guten und manchmal auch flauen Gefühl im Bauch das Richtige gekauft zu haben, fällt man gegen Mitternacht ins Bett. Am nächsten Tag beginnt das Spiel von Neuem – und trotzdem mach ich es immer noch gerne!